Kurzfassung

Haben Sie sich schon einmal geärgert, weil ein Produktpartner versucht hat, Ihnen ein komplexes System nur anhand eines Dokuments zu erklären? Oder haben Sie sich hilflos gefühlt, weil Sie einen Benutzerablauf ohne Modelle erklären sollten? Mit diesem Problem stehen Sie nicht allein da. In unserer täglichen Arbeit bei Okta ist dies eine regelmäßige Herausforderung. Menschen sind nun einmal visuelle Wesen. Als Produktdesigner verfügen wir über eine Art Superkraft: die Fähigkeit, Visualisierungen zu nutzen. In diesem Artikel erläutere ich, wie ich Visualisierungen im gesamten Produktdesign-Lebenszyklus nutze, um mir und meinen Teamkollegen die Arbeit zu erleichtern.

Warum Visualisierungen wichtig sind

Hier entfaltet sich Ihre Design-Superkraft, die das gesamte Team unterstützt.

Mehr Klarheit

Der größte Vorteil von Visualisierungen ist, dass sie mehr Klarheit bringen und eine einheitliche Abstimmung fördern. Die Visualisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Kommunikation. Ganz gleich, ob es sich um eine grobe Skizze oder einen vereinfachten Task-Flow handelt: Mit Ihren Visualisierungen zeigen Sie, wie Sie komplexe Informationen verarbeitet haben. Wenn Sie Visualisierungen mit Ihrem Team teilen, zeigen Sie ihm im Wesentlichen, wie Sie das Problem verstanden haben, und kommunizieren dies auf einfache und effektive Weise.

Förderung produktiven Denkens

Neben mehr Klarheit haben Visualisierungen den weiteren Vorteil, dass sie Sie und Ihre Teamkollegen zum Nachdenken anregen. Wenn Sie Informationen, die Sie durch Lesen oder Hören aufgenommen haben, visuell darstellen, fügen Sie in der Regel bruchstückhafte Informationen zu einem Ganzen zusammen. Dieser Prozess fördert das systematische Denken – eine wichtige Fähigkeit in dem technischen Bereich, in dem Okta tätig ist.

Unterstützung für Ihre Partner

Ihre Partner im Produktbereich (Produktmanager und Entwickler) sind oft keine Experten für die Erstellung von Visualisierungen, benötigen diese jedoch häufig für ihre Arbeit. Einige versuchen sich daran, während andere schnell aufgeben. Ich habe viele Beispiele erlebt, in denen ein Produktmanager eine von mir erstellte Visualisierung einfach für seine Präsentation verwendet hat – ein Paradebeispiel für Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen.

Übungsgelegenheiten

Im gesamten Prozess wimmelt es nur so von Möglichkeiten, Visualisierungen zu nutzen.

Das System verstehen

An dieser Stelle können Visualisierungen eine entscheidende Rolle spielen: Sie schaffen Klarheit und helfen Ihrem Team, die nächsten Schritte zu planen. Design-Arbeit dreht sich bei Okta oft um komplexe Produktfelder, mit denen die Mitarbeiter meist noch keine Erfahrung haben. Stellen Sie sich vor, Sie erhalten eine 30-seitige Produktspezifikation voller verschiedener Produktbereiche, Multi-Admin-Personas, Berechtigungsmodelle und Abkürzungen, die Ihnen völlig unbekannt sind. Was würden Sie in einer solchen Situation tun?

Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, doch eine Bestandsaufnahme des eigenen Wissens ist immer ein guter Ausgangspunkt. Meist fertige ich eine Skizze an, die zeigt, wie das aktuelle System meiner Meinung nach funktioniert. Es macht nichts, wenn diese Skizze etwas unsauber ist, denn wie bereits erwähnt, ist die Visualisierung an sich nicht das Ziel. Sie ist nur eine effektive Methode, um mit Ihren Produkt- und Entwicklungspartnern ins Gespräch zu kommen und den Prozess voranzutreiben.

A detailed workflow diagram illustrating digital asset management processes.

Die richtige Richtung finden

Wir sind nun in der Phase, in der das Problem klar definiert und Ihr Team bereit ist, erste Lösungsansätze zu erarbeiten. Als Produktdesigner haben Sie nun die Möglichkeit, eine nutzerzentrierte Denkweise einzubringen und sich für die bestmögliche Experience für Ihre Zielgruppe einzusetzen.

Eine praktische Übung kann beispielsweise sein, alle gesammelten Daten (z. B. aus Recherchen) visuell darzustellen und geordnet zu präsentieren. Dies ist ein entscheidender Schritt, um Wissen in Ideen zu verwandeln. Unabhängig davon, ob es sich um Annahmen oder um umsetzbare technische Anforderungen handelt, haben Sie hier die Gelegenheit, sich zu profilieren, indem Sie Ihre Teamkollegen auf eine gemeinsame Vision für das zukünftige Produkt einstimmen.

A detailed workflow chart showcasing configuration and feature management for digital assets.

Die Lösung umsetzen

In der Umsetzungsphase des Designs erstellen Designer häufig eine Design-Spezifikation, die den Entwicklern als Referenz dient. Allerdings kann es schwierig sein, ein Design nur anhand von Modellen oder Prototypen zu veranschaulichen.

Um beispielsweise zu zeigen, wie verschiedene Eingabevalidierungen in einem Formular zur Account-Erstellung funktionieren, habe ich eine Logikübersicht erstellt. Da einige Eingaben Abhängigkeiten und mehr als eine Validierungsregel aufwiesen, bot diese Übersicht einen klaren Überblick über das erwartete Verhalten. Dies war (verglichen mit unzähligen Screenshots) der effizientere Weg zum Vermitteln der geplanten Funktionsweise des Systems.

A detailed user flow diagram showcasing the process of filling out fields such as first-last name, username, primary email, and realm.

Eine Geschichte erzählen

Mitunter ist es hilfreich, sich eine kurze, aber prägnante Geschichte über die Arbeit zu erzählen. Dies kann beispielsweise eine schnelle Einweisung für neue Mitarbeiter oder eine kurze Präsentation für Stakeholder sein. Es ist immer eine Herausforderung, alle Einzelheiten eines komplexen Projekts in nur fünf Minuten zu vermitteln.

Denken Sie auch hier wieder daran, Visualisierungen zu verwenden. Versuchen Sie, die wichtigsten Informationen in einem kleinen Diagramm zusammenzufassen. Je nachdem, was Sie hervorheben möchten (Benutzeraktionen, Produkte der einzelnen Teams, Sicherheitsverbesserungen usw.), kann die Gestaltung dabei flexibel sein. Sie werden feststellen, dass diese Art der Kommunikation sehr produktiv ist und Ihr Publikum gleichzeitig zum Nachdenken anregt – genauso, wie bei Ihren Teamkollegen.

A visual representation of the workflow for integrating identity providers in an organizational setup.

Weitere Unterstützung

Das Erstellen visueller Darstellungen ist keine Aufgabe, die Sie alleine bewältigen müssen.

Beziehen Sie Ihre Teamkollegen mit ein

Da Sie mit Ihren Visualisierungen Ihr Team ansprechen und inspirieren möchten, ist es sinnvoll, Ihre Teamkollegen einzubeziehen. Sie können als Mitgestalter fungieren und Vorschläge machen, welche Aspekte hervorgehoben werden sollten. Der Projektmanager beispielsweise eignet sich hervorragend als Partner, da er über umfassende Kenntnisse verfügt, die von der User Experience bis hin zu technischen Anforderungen reichen.

Sie können aber auch andere Designer zur Zusammenarbeit einladen, wenn Ihr Projekt deren Produktbereiche tangiert. Neben dem Erstellen der Visualisierungen haben Sie zudem die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie sich Ihre Arbeit in ein größeres System einfügt.

Workshops

Nicht immer verfügt die Person, die Sie einbeziehen möchten, über ausreichende Kenntnisse, um Sie unterstützen zu können. Vielleicht wünschen Sie sich auch einfach Input von einem breiteren Publikum. In beiden Fällen könnte ein Workshop sinnvoll sein. Ein Workshop bietet Ihnen die Möglichkeit, sich die Meinungen mehrerer Personen einzuholen. Diese können beispielsweise aus dem Entwicklungsteam stammen, mit dem Sie nicht regelmäßig zusammenarbeiten, oder aus benachbarten Teams, deren Projektmanager Ihnen dabei helfen können, Wissenslücken zu schließen.

Ein Workshop hat mir beispielsweise dabei geholfen, Reibungspunkte für Benutzer besser nachzuvollziehen und Verbesserungsmöglichkeiten für die User Experience zu erarbeiten. Mein Team war mitten im Double Diamond-Prozess. Wir konnten zwar die Produktanforderungen in groben Zügen definieren, waren uns jedoch nicht sicher, welche Aspekte der Experience verbessert werden könnten. Um dies zu klären, lud ich mehrere Produktmanager und Designer zu einem Workshop ein. Die meisten von ihnen kannten zwar nicht den gesamten Entwicklungsprozess, doch ihre Produktbereiche hingen mit meiner Arbeit zusammen. Letztlich konnten sie viele aufschlussreiche Ideen beisteuern, die mir zu einem überzeugenderen Design-Vorschlag verhalfen.

Zusätzliche Tipps

Hier sind zwei zusätzlichen Tipps von mir.

Erster Tipp: Bedenken Sie bei Ihren Überlegungen immer Ihr Publikum und dessen Kontext. Ähnlich wie beim Vorbereiten einer Präsentation hilft es Ihnen, aussagekräftigere Visualisierungen zu erstellen, wenn Sie die Zielgruppe Ihrer Arbeit berücksichtigen. Im Gegensatz zu einer Präsentation orientieren sich die Betrachter Ihrer visuellen Darstellung ausschließlich daran, was ihnen gezeigt wird. Wenn Sie also Ihre Visualisierung an den Kontext der Betrachter anpassen, steigen Ihre Erfolgschancen.

Zweiter Tipp: Handeln Sie wie ein Partner auf Augenhöhe. Oft verlassen wir uns auf das Wissen der Projektmanager und Entwickler. Doch auch sie kennen nicht immer alle Antworten. In den frühen Phasen des Produktlebenszyklus hat in der Regel niemand ein vollkommen klares Bild vor Augen. Ergreifen Sie mutig die Initiative, wenn Sie sich in einer solchen Situation befinden. Veranschaulichen Sie Ihre Gedanken mithilfe einer Skizze oder tragen Sie bekanntes und unbekanntes Wissen zusammen. Eine einfache Skizze kann dem Team bereits helfen, besser mit Unklarheiten umzugehen.

Zusammenfassung

Die besondere Fähigkeit eines Designers sind visuelle Darstellungen, die es ihm ermöglichen, mit Mehrdeutigkeit und Komplexität umzugehen. Visualisierungen sind ein leistungsstarkes Instrument, um Sachverhalte klarer darzustellen, die Zusammenarbeit mit den Teammitgliedern zu verbessern und das kreative Denken während des gesamten Produktlebenszyklus zu fördern.

Ich rate Ihnen, probieren Sie es einfach mal aus. Ganz egal, ob Sie eine einfache Skizze oder ein detailliertes Diagramm anfertigen – bei einer Visualisierung können Sie nichts falsch machen. Nehmen Sie ein Whiteboard, öffnen Sie eine neue Datei und lassen Sie sich von Ihrer Kreativität leiten. Mit jeder Skizze werden Sie zu einem besseren Partner im Produktdesign!

Setzen Sie Ihre Identity Journey fort